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OUTERNATIONAL: „Es brodelt hier“

Ein Beitrag von
16-08-2018

»Die Musikszene hier ist wie ein Bonbonmarkt – Du kannst unglaublich viele Sachen probieren, aber es ist völlig unstrukturiert, undurchschaubar«, erzählt der Bratscher Ulrich Mertin bei einem Çay in einem Hipster-Café im Istanbuler Cihangir. Seit zehn Jahren ist er immer mehr mit der Stadt verwachsen. »Es hat eine Weile gedauert, sich hier als Musiker einigermaßen zurechtzufinden«. Mittlerweile hat Mertin nicht nur bei diversen Auftritte als Geiger seinen Platz im Nachtleben der Stadt gefunden, sondern auch ein Solistenensemble für zeitgenössische Musik gegründet: das Hezarfen Ensemble.

In der heutigen Türkei ist Hezarfen das einzige professionelle Ensemble, das unabhängig funktioniert, von keiner staatlichen Organisation gefördert, gefordert und gelenkt.

Dahinter steckt der Versuch, ein hybrides Ensemble mit »türkischer Identität« aufzubauen. Mit der künstlerischen Vision, sowohl osmanische Klangsprachen als auch westliche zeitgenössische Musik auf höchstem Niveau zu interpretieren. Spieler der Kastenzither Kanun sowie der Kurz- und Kastenhalslauten Oud und Kemençe werden in jahrelangen Workshops Teil des Ensembles.

Gemeinsam mit universitären Instituten vor allem in Istanbul, Ankara und Izmir, hat sich Hezarfen zu einem bedeutenden Katalysator für die unter politisch nicht immer einfachen Umständen wachsende Szene zeitgenössischer Komposition in der Türkei entwickelt. Mit dem Ziel, jungen Komponist*innen die Chance zu geben, ihre Stücke auf hohem instrumentalen Niveau zu realisieren und sich so weiterzuentwickeln. Für viele die einzige Chance überhaupt, ihre Werke live zu hören. »Noch immer gehen die meisten Komponisten ins Ausland und viele bleiben dann in Deutschland oder den USA. Aber: Einige kommen zurück, suchen auch die Verbindung mit der Tradition.«

Für die erste Ausgabe von OUTERNATIONAL, Elisa Erkelenz‘ #bebeethoven-Projekt, hat Ulrich Mertin eine Playlist mit Werken bekannter und aufstrebender zeitgenössischer Komponist*innen zusammengestellt. Sie eint, dass sie nach Jahren im Ausland heute wieder in der Türkei leben. Ein subjektiver Hörstreifzug durch die zeitgenössische Musikszene vom Bosporus zum Schwarzen Meer, versetzt mit einer rudimentären Bildstrecke zur Musikgeschichte der Türkei. »Ohne die groben Züge kannst Du das nicht hören, nicht verstehen.«

Hier geht’s zur Playlist:

Es brodelt hier

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