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Mut in Zeiten des Unmuts – Ein Essay

Ein Beitrag von
16-08-2018

Es ist schwer, intelligent über Mut zu schreiben. Allzu nah liegen die altklugen Klischees.

Das Mutige liegt eben dem Intellekt sehr fern, deswegen lässt es sich damit so schwer greifen – aber man erkennt es sofort und unmittelbar, wenn es passiert. Freilich hängt die Zuschreibung von Mut vom Standpunkt ab. Eine irrige politische Partei zum Beispiel gibt sich den Slogan „Mut zur Wahrheit“. Aus ihrer Sicht ist es mutig, gegen demokratisch und hart erfochtene Rechte anzugehen, oder auch schlicht Menschenrechte in Frage zu stellen. Hier ist aber überhaupt kein Mut im Spiel. Das ist einfach nur Unmut. Und es geht auch nicht um die „Wahrheit“ – sondern um eine einfachere, weißere, patriarchischere und nationalere Vergangenheit, die nicht mehr wiederkommt und bitte auch nicht wiederkommen soll.

Nichts ist weniger mutig als einfach nur seinen Unmut über welchen Zustand auch immer herauszukotzen.

Mut ist etwas fundamental anderes. Ernest Hemmingway hat das Wesentliche auf diese Formel gebracht: Courage is grace under pressure. Das trifft es so unheimlich schön und gut. Mut ist das Wagnis, unter hohem Druck anmutig zu sein. Anmut ist keine perfekte Übersetzung für das englische Wort grace, aber in diesem Kontext passend.

Mut ist.

Mut ist Liebe im Angesicht von Hass; Mut ist Optimismus in der Krise; Mut ist Rosa Parks, die friedvoll im Bus sitzen blieb, auch wenn sie das in den rassistisch segregierten USA nicht durfte; Mut ist Ruhe in der Hektik, Großmut in Anbetracht des Kleingeistigen, Verantwortung unter Druck. Mut findet sich überall dort wieder, wo etwas anmutiges passiert, das den äußeren Umständen entsprechend eigentlich kaum passieren kann, weil es unvernünftig oder einfach sehr schwer oder sogar gefährlich ist.

Mut ist dann, wenn sich ein menschlicher Wille gegen das Naheliegende, Leichte und Billige aufbäumt.

So hängt auch die Musik implizit oder explizit sehr oft an mutigen Handlungen. Die Musikgeschichte ist voller Beispiele dafür – und jetzt stellt sich dringend die Frage, was Mut für unser Musikschaffen heute, in Zeiten des Unmutes, bedeutet. Wie kann Kunstmusik politisch mutig sein? Wie hängt Mut und Geschmack zusammen?

Mut ist?

Was sind die Dimensionen musikalischen Mutes? Kann Musik ohne Mut trotzdem Kunst sein? In diesem Themenschwerpunkt des #bebeethoven Magazins beleuchten wir diese und weitere Fragen – und wir widmen das Konzertwochenende in Bebenhausen vom 17. bis 19. August 2018 ebenfalls diesem Thema.

Illustration von Moritz Stetter

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