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Mut und Musik – Konzertwochenende im Kloster Bebenhausen

Ein Beitrag von
16-08-2018

Wie klingt übermütige, mutwillige und demütige Musik? Dieser und vielen anderen, spannenden Fragen widmet sich PODIUM Esslingen beim diesjährigen Konzertwochenende Mut und Musik.

Es findet von Freitag, den 17. August bis Sonntag, den 19. August 2019, im Kloster Bebenhausen bei Tübingen statt. Im Rahmen von vier Konzerten werden nicht nur verschiedene Geschichten „mutiger Musik“ erzählt, sondern eine große Bandbreite musikalischer Werke präsentiert: vom Frühbarock bis zu aufstrebenden Komponist*innen unserer Zeit. In Bebenhausen mit dabei sind auch #bebeethoven-Künstlerinnen und Künstler, die Einblicke in ihre aktuellen Arbeiten und Projekte geben.

Ein musikalisches Roboter-Baby

Performerin, Komponistin und „Queen of Techtopia“, wie The Guardian einst titelte, Holly Herndon wird mit ihrem Partner Mathew Dryhurst über ihr gemeinsames musikalisches Experiment mit Künstlicher Intelligenz sprechen – ein KI-Baby namens „spawn“.

Die Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz öffnet durch die Verbindung von Mensch und Technologie ganz neue künstlerische Wege. Im Rahmen ihres #bebeethoven-Projekts begibt sich Holly Herndon auf die Suche nach neuen vokalen Ausdrucksformen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz und will durch Machine Learning und Künstliche Intelligenz neue Klangwelten erschließen.

Dazu zieht die 1980 im Südstaat Tennessee geborene Künstlerin gemeinsam mit ihrem Partner Mathew Dryhurst ein „KI-Baby“ namens „Spawn“ groß. „Spawn“ ist ein neuronales Netzwerk, eine sogenannte Künstliche Intelligenz, die von Holly Herndon und ihrem Partner trainiert wird. In Bebenhausen stellen die #bebeethoven-Künstlerin und ihr Partner das Projekt vor.

Barocke Elektromusik

Mit dabei ist auch Komponist und Pianist Kaan Bulak. Er entwickelt neue ästhetische Formen der Verschmelzung von klassischen Instrumenten mit Elektronik. Dabei hat er den Mut, klassische Formen mit elektronischen Klängen und avantgardistischer musique concréte auf einzigartige Weise zu verbinden und so „elektro-akustische Kammermusik“ zu schaffen.

Die Cembalistin Elina Albach ist ebenfalls in Bebenhausen zu Gast. Sie entwickelt eine völlig neue Form, die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts in der Gegenwart erklingen zu lassen. Zu erleben sind dabei neue Aufführungsformen von Barockmusik und zeitgenössischer Musik auf Grundlage barocker Improvisation.

© Verena Ecker

Das Konzertwochenende 2017.

Vier Formen von Mut – Das Konzertprogramm

Freitag, 17. August 2019

Das Konzertwochenende startet im Sommerrefektorium des Klosters unter dem Titel Über_Mut. Gespielt werden Werke von Wagner und Schostakowitsch sowie mit einem Werk des jungen, in Stuttgart aufgewachsenen Komponisten Kaan Bulak, Künstler des PODIUM-Projekts #bebeethoven. Kaan Bulak über sein Werk HAIN für Streichquartett und Elektronik:

‚Hain‘ bedeutet Verräter – womöglich jemand, der unerwünschte Wege am falschen Ort ging. ‚Hain’ ist ebenfalls die Abkürzung eines Clubs, in dem sich Denker und Hedonisten aus aller Welt treffen – vermutlich, da sie zu Hause nicht mehr erwünscht sind.“

Samstag, 18. August 2019

Das PODIUM Esslingen lädt ab 17 Uhr – bei freiem Eintritt – zur Präsentation des Projekts #bebeethoven mit anschließendem Künstlergespräch & Diskussion in die Kutscherhalle ein und leitet damit in offener und zwangloser Atmosphäre über zum großen Konzert am Samstagabend, 19 Uhr, im Sommerrefektorium. Dieses Konzert unter dem Titel Mut_Willig wird von den #bebeethoven-Fellows Kaan Bulak und Elina Albach gemeinsam mit PODIUM Musiker*innen gestaltet und gibt dem Publikum einen sehr sinnlichen und anschaulichen Einblick in eine ungewöhnliche Form des Komponierens bzw. einer ungewöhnlichen Form der Interpretation „Alter Musik“.

Sonntag, 19. August 2019

Manche Konzerte gleichen einem Drahtseilakt und fordern unglaublich viel Mut von Musiker*innen und Komponist*innen. Das Matinée-Konzert Mut_Probe am Sonntag, 12 Uhr, in der Kutscherhalle, erzählt genau diese Geschichten und fragt, was es bedeutet vor 1.000 Personen ein Solokonzert zu spielen, und wie es ist, mit einem eigenen, sehr persönlichen Werk aufzutreten. Die beteiligten Musiker*innen und Komponist*innen berichten von ihren herausforderndsten Bühnenerfahrungen. Dabei ist virtuose und performative Musik aller Epochen zu hören.

Decke des Klosters

Die Architektur trägt zusätzlich zu einem besonderen Konzerterlebnis bei.

Dem Mut zur Reflektion und zur Zurückhaltung widmet sich das Abschlusskonzert De_Mut am Sonntag, 19 Uhr, im Sommerrefektorium. Gespielt wird Ludwig van Beethovens spätes Streichquartett op. 132, ein „Heiliger Dankgesang eines Genesenden“, des weiteren steht „Dyade“ für Violine und Kontrabass auf dem Programm, ein einfaches, inniges musikalisches Gespräch zwischen zwei Stimmen des für seine komplexen Werke bekannten Komponisten Wolfgang Rihm. In Vaughan-Williams wunderschönem Quintett erklingt der Mut mal naiv, mal spielerisch, enthusiastisch und demütig, in einer immer rationaler werdenden Moderne.

 

Fotos: Verena Ecker

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