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Lust, Druck & Langeweile – Über das Anfangen

Ein Beitrag von
22-05-2018

Das erste Kapitel unseres brandneuen #bebeethoven-Onlinemagazins widmet sich passenderweise dem Anfangen. Denn auch die zwölf Künstler*innen unseres Fellowship-Programms stehen am Anfang ihrer verschiedenen Projekte, die bis ins Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 entwickelt werden. Hier in diesem Magazin, das alle zwei Monate monothematisch in Kapiteln bespielt wird, könnt ihr sie dabei begleiten.

Wir wollen die künstlerischen Prozesse auf dieser Plattform direkt, ehrlich und diskursiv begleiten – und dabei nicht so tun, als sei alles nur schön und einfach. Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Aber wie kommt ein Mensch – zumal ein*e Künstler*in – eigentlich überhaupt dazu, etwas anzufangen? Woraus entstehen Ideen, wodurch werden sie zu Projekten? Woher kommt dieser eigenartige aber offenbar tief menschliche Drang, sich mit dem Gegebenen nicht zufrieden zu geben, sondern etwas Neues, Anderes, Alternatives zu entwickeln. Mir fallen vor allem drei Gründe ein:

Lust

Am Anfang steht doch irgendwie immer die Lust. Alles Große ist aus irgendeiner Form des Enthusiasmus entstanden. Wo keine Lust ist, entsteht wahrscheinlich nichts Neues, zumindest keine Kunst. Lustlose Orte sind tote Orte. Am Anfang jedes Projekts steht törichte Freude und ein anmaßendes Funkeln in den Augen.

Illustration von Moritz Stetter: Beethoven, der Anfänger

Illustration von Moritz Stetter: „Beethoven, der Anfänger“

Druck

Viele Anfänge und große Werke entstehen aus Druck. Davon gibt es viele Formen – hier drei Beispiele:

1.) psychologischer Druck (Liebe, Einsamkeit, Unzufriedenheit etc.), der durch die Arbeit ein Ventil des Ausdrucks erhält;

2.) ökonomischer Druck, der zu originellen und exklusiven Werken anspornt (denn Originalität und Exklusivität lässt sich in der Regel besser verkaufen als mehr vom Gleichen);

3.) sozialer Druck, also der Wunsch in bestimmten Kreisen angenommen, respektiert oder geliebt zu werden.

Langeweile

Vielleicht der meist unterschätzte Grund, weshalb Großes und Neues entsteht. Menschen mit Anspruch langweilen sich eben schnell im vorhandenen Umfeld. PODIUM Esslingen ist entstanden, weil sich ein paar Leute in ihren eigenen Konzerten gelangweilt haben. Und wie ist es erst recht bei den Genies: der junge Mozart hat doch zu einem großen Teil zur Selbstbespaßung komponiert. Beethoven muss sich doch gedacht haben: „Die Sinfonie kann doch potentiell viel krasser sein als das, was wir hier von Haydn haben!“. Im Nachhinein wird vieles verklärt, aber ich glaube große Künstler lieben das „Neu-Anfangen“, einfach weil sie das Althergebrachte langweilt – und weil sie sich vor Langeweile fürchten.

Auch bei unserem Projekt-Patron Ludwig van Beethoven wird Lust, Druck und Langeweile in seiner Leidenschaft für den Anfang mit jedem neuen Werk, die ständige Wiederverzauberung der Welt, eine Rolle gespielt haben. Bei den zwölf #bebeethoven-Fellows sind das wichtige Antriebsmomente. In diesem ersten Magazin-Kapitel denken wir über das Anfangen an sich nach und werfen Schlaglichter auf die beginnenden Projekte der #bebeethoven-Fellows. Mit der Lust im Herzen und dem Druck im Nacken – und immer wider die Langeweile!

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