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Outernational Night

Elisa Erkelenz und OUTERNATIONAL: Keine einfachen Wahrheiten mehr

Ein Beitrag von
12-04-2019

Das Selbstverständliche zu hinterfragen ist immer ein Wagnis. Doch der Reiz kann unbändig sein, vorsichtig an die Eierschale eines Systems zu klopfen, das Leben im Inneren anzurufen, sich zu zeigen – wie auch immer es aussehen mag.

Elisa Erkelenz hat sich getraut: Seit einigen Monaten klopft sie – Literaturwissenschaftlerin, Kulturmanagerin und Dramaturgin – an der hierzulande gängigen Art, Musik, Festivals und klassische Konzerte vor allem ego- und eurozentristisch zu denken und zu programmieren. „Meine Großeltern und meine Mutter haben lange in Indien gelebt“, erzählt sie. Sie wächst mit indischer und europäischer Klassik im Ohr auf, mit 16 lebt sie selbst ein Jahr auf der Insel La Réunion und taucht in die besondere Musikszene ein.

Elisa Erkelez von OUTERNATIONAL

Elisa Erkelez von OUTERNATIONAL

Entsprechend irritiert war sie jedoch über die Konzerte in Deutschland, in denen außereuropäische Musik gespielt und wie sie in Programmhefttexten und CD-Booklets beschrieben wurde. „Vieles wird der Kunst nicht gerecht“, sagt sie dazu. „Es geht stattdessen darum, die Erwartungshaltung der Hörer an ‚Weltmusik‘ zu bestätigen, was umgekehrt nicht selten dazu führt, dass die Künstler sich für den Markt selbst exotisieren.“

Das Hören ein bisschen verlernen

Sie will dagegen halten, dabei helfen, diese „einfachen Wahrheiten“ nicht weiter zu reproduzieren, sondern den Blick zu richten auf „hybride Formen und musikalische Nischen hochspannender, globaler Kunstmusik“. Ihr Projekt „Outernational“ soll dafür ein Seismograph des lebendigen musikalischen Lebens sein, wie sie sagt, multiperspektivisch zwischen Philosophie, Literatur, Musik und Diskursen – und indem vor allem die Künstler*innen und ihr Umfeld zu Wort kommen.

Nur wie soll man am besten sprechen über die Musik, die man nicht mehr stigmatisieren will? „Eine gute Frage“, sagt Erkelenz. Die eine wahre, richtige Antwort habe sie nicht. Aber einen Ansatz: „Vielleicht wäre es zuallererst wichtig, das Hören ein bisschen zu verlernen.“ Heißt: die Gewohnheiten versuchen beiseite zu legen, um Raum zu schaffen „für eine anarchische Wurzelstruktur, die sich darin entfalten kann“. Und das vielleicht sogar erst einmal ohne Begriffe.

Text: Hannah Schmidt

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